Ein Wochenende an der Ostalgarve – Olhão, Tavira, Fuseta und die Lagune von Faro

Manchmal ist es schön, das Meer nicht nur vom Boot aus zu erleben, sondern auch die kleinen Städte und Dörfer zu entdecken, die entlang der Algarve liegen – jede mit ihrem eigenen Rhythmus und Charakter. Letztes Wochenende haben wir LUWiNA in der Werft gelassen und sind mit dem Auto Richtung Osten gefahren. Zwei Tage voller Eindrücke, Farben und Küstenluft – von Olhão über Tavira und Fuseta bis nach Faro und zu den Ilhas Deserta und Culatra.

Tag 1 – Von Olhão über Tavira nach Fuseta

Olhão – das Tor zur Ria Formosa

Der erste Stop ist Olhão, eine lebendige Fischerstadt mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Zwischen den engen Gassen duftet es nach Kaffee, Salz und Meer. Wir schlendern durch den alten Markt direkt am Wasser – die roten Backsteinhallen stammen aus dem 19. Jahrhundert und sind heute voller Leben. Frischer Fisch, Oliven, Käse, Obst, Gemüse – und dazwischen das Stimmengewirr der Besucher, die ihre Einkäufe erledigen. Zusätzlich ist samstags noch ein mobiler Bauernmarkt vor den Hallen. Der Himmel strahlte mal wieder in einem schönen Blau und so machte es sehr viel Spaß Olhao zu entdecken.

Von der Uferpromenade blicken wir hinaus auf die Lagune der Ria Formosa, dieses weit verzweigte Labyrinth aus Sandbänken, Inseln und Kanälen, das die Ostalgarve so besonders macht. Hier beginnen viele Bootstouren zu den vorgelagerten Inseln.

Caminho das Lendas, der Pfad der Legenden

In der verwinkelten Altstadt schmücken die kleinen Plätze fünf Skulpturen. Jede der Figuren steht für eine der Legenden, die seit Jahrhunderten in der Stadt erzählt werden. Eine kleine Herausforderung ist es, den engen, immer wieder abknickenden Gassen zu folgen, um zum nächsten Objekt zu gelangen. Wir haben sie zwar nicht in der richtigen Reihenfolge gesehen, aber insgesamt alle entdeckt. Als wir gerade bei der ersten Figur von diesem Pfad waren, haben wir einen alten Freund aus Aachen entdeckt. Wir wussten schon vorher, dass er in Portugal bei einem Freund ist. Aber welch ein Zufall, dass wir ihn unter den vielen Menschen in Olhao entdeckt haben. Da er mit anderen Freunden unterwegs war, haben wir uns für die nächste Woche in Lagos verabredet.

Tavira – die Perle am Gilão

Nur eine halbe Stunde später erreichen wir Tavira, eine der schönsten Städte der Algarve. Schon beim Einfahren über die Brücke spürt man das Besondere: Tavira ist ruhig, elegant und voller Geschichte.

Wir spazieren entlang des Rio Gilão, vorbei an alten Häusern mit schmiedeeisernen Balkonen und den typischen Kacheln, die im Sonnenlicht glitzern. Überall blühen Bougainvillea in kräftigem Pink, und die Möwen rufen über den Fluss.

Oben auf dem Hügel thront die Burgruine, von deren Mauern man einen weiten Blick über die Dächer und die Lagune hat. Es ist einer dieser Orte, an denen man einfach bleibt – ohne Plan, einfach um das Licht und die Ruhe zu genießen.

Fuseta – klein, ruhig, authentisch

Am Nachmittag fahren wir weiter nach Fuseta, einem kleinen, unscheinbaren Fischerort – und vielleicht gerade deshalb so charmant. Weiß getünchte Häuser, Boote, die bei Ebbe im Sand liegen, und ein schmaler Strand, der bei Flut fast verschwindet.

Wir spazieren durch den Ort und versuchen auf den Spuren von Graciana Rosada und Leander Lost aus dem Krimi Lost in Fuseta zu wandern. Aber irgendwie will sich dieses Gefühl nicht so recht einstellen. Am besten hat uns der Strandabschnitt und der kleine Hafen gefallen. Es ist Ebbe und viele Boote sind trocken gefallen.

Wir fahren nach Faro,, wo wir ein kleines Hotel gebucht haben und lassen den Abend in der Taberna Ze Ze bei einer köstlichen Cataplana mit Fisch und Meeresfrüchten ausklingen.

Tag 2 – Faro und die Ilhas Deserta und Culatra

Faro – Hauptstadt mit Charme

Am nächsten Morgen starten wir unseren Tag mit einem leckeren Frühstück auf der Terrasse unseres kleinen Hotels. Wir checken aus und fahren mit dem Auto in die Altstadt von Faro. Viele Reisende sehen sie nur vom Flughafen aus – ein Fehler, wie wir schnell feststellen. Hinter den alten Stadtmauern liegt eine wunderschöne Altstadt mit Kopfsteinpflaster, weißen Fassaden und kleinen Cafés im Schatten der Orangenbäume.

Wir schlendern durch die Arco da Vila in die historische Altstadt, hören Straßenmusiker und genießen das gemächliche Tempo, das hier herrscht. Doch das eigentliche Ziel liegt noch vor uns – draußen in der Lagune.

Mit dem Boot durch die Ria Formosa

Vom kleinen Hafen aus starten regelmäßig Boote in die Ria Formosa, dieses geschützte Naturparadies aus Inseln, Dünen und stillen Wasserarmen. Wir entscheiden uns für eine Tour zu den beiden Ilhas Deserta und Culatra. Schon nach wenigen Minuten gleitet das Boot leise durch das glitzernde Wasser, vorbei an Reihern, Kormoranen und kleinen Sandinseln, auf denen Muschelsammler arbeiten. Wir sind eine kleine deutschsprachige Gruppe. Unser junger Kapitän erklärt uns alles auf englisch.

Dann taucht sie auf – Ilha Deserta, eine große Insel mit einem schmalen Streifen Sand, umgeben von glasklarem Wasser. Kein Lärm, keine Häuser, nur Wind, Wellen und Himmel. Wir steigen aus, und wandern über den fast menschenleeren Strand. Hier auf der Ilha Deserta gibt es ein kleines Restaurant, welches aber nur tagsüber betrieben wird. Ab dem späten Abend verlassen alle die Insel und zurück bleibt ein einziger Mann. Er ist der alleinige Bewohner dieser traumhaft schönen Insel, der hier übernachten darf. Hier ist auch der südlichste Punkt Portugals (Festland ohne Madeira), das Cabo de Santa Maria.

Danach geht es noch zur Insel Culatra. Die Insel hat zwei kleine bewohnte Orte. Wir haben im Westen am Leuchtturm angelegt. Dort ist der Ort Farol. Im Osten befindet sich der Ort Culatra, ein ehemaliges Fischerdorf. Mittlerweile ein beliebter Sommerort mit Ferienhäusern und ein paar Restaurants. Es sollen auch einige Bewohner dauerhaft hier leben. Wir konnten uns nur Farol anschauen, da die Insel 6 km lang ist. Vielleicht kommen wir ja noch mal mit LUWINA zurück und ankern in der Lagune, geschützt vor dem Atlantik.

In der Lagune kommen auch Seepferdchen vor. Da ihr Bestand stark zurückgegangen ist, hat man mittlerweile Schutzgebiete eingeführt und hilft bei der Vermehrung.

Zurück nach Faro

Am Nachmittag bringt uns das Boot zurück nach Faro. Die Sonne steht tief, das Wasser glitzert, und über der Lagune ziehen Schwärme von Vögeln ihre Bahnen. Es ist einer dieser Momente, in denen alles still wird – nur das leise Tuckern des Motors und das Rauschen des Windes begleiten uns. Mittlerweile ist Ebbe in der Lagune. Man sieht es an vielen kleinen Inseln, die beim Start der Tour noch nicht zu sehen waren. Die Ebbe ermöglicht es auch, dass wir in die Marina unter der Eisenbahnbrücke hindurch fahren können. Die ehemalige Drehbrücke ist leider blockiert und kann nicht mehr bewegt werden.

Zurück an Land sitzen wir noch an der Hafenpromenade und lassen uns kulinarisch verwöhnen. Wir lassen das Wochenende Revue passieren: zwei Tage, vier Orte, unzählige Eindrücke. Aber ein Ziel haben wir noch. Am Büro der Touranbieter hängt ein großes Foto von einem Turm mit einem großen bunten Seepferd. Dieser steht am Strand von Faro in einem Wohnmobilpark. Von der oberen Etage der Bar konnten wir den Sonnenuntergang über dem Meer beobachten. Die Bedingungen waren perfekt für den grünen Blitz, der beim Sonnenuntergang für ca. 1-2 Sekunden zu sehen ist, da das Sonnenlicht an der Horizontkante unterschiedlich gebrochen wird. Der rote Anteil ist schon unter dem Horizont und vor allem der grüne Anteil bleibt übrig.

Fazit

Die Ostalgarve zeigt eine ruhigere, authentischere Seite Portugals – weniger spektakulär als die hohen Klippen im Westen, aber mit einer besonderen, stillen Schönheit. Zwischen den Lagunen, den weißen Städten und den endlosen Sandbänken spürt man die Nähe von Meer und Himmel auf eine ganz eigene Weise. Hier haben wir das Meer einmal ganz anders erlebt – stiller, sanfter, aber genauso faszinierend wie draußen auf See.

Ein Wochenende reicht kaum, um alles zu entdecken – aber genug, um zu wissen, dass wir wiederkommen wollen und Allen raten, die Algarve in die Urlaubsplanung aufzunehmen. Falls unsere Berichte nicht für die Inspiration reichen, schaut Euch mal die Wunderschön Sendung über die Algarve in der ARD-Mediathek an.

Der grüne Flash beim Sonnenuntergang hat das ganze Bild grün gefärbt. In der realen Welt wird der letzte Teil der untergehenden Sonne kurz grün (1-2 Sekunden).