Winterpause in Deutschland – zwischen Ankommen und Aufbruch

Nach Monaten auf See, nach salziger Luft, endlosen Horizonten und dem stetigen Rhythmus der Wellen fühlt sich das Ankommen an Land immer wieder fast unwirklich an. Unsere LUWINA steht sicher an Land in der Werft von Sopromar, alle Wartungsarbeiten sind erledigt. Ein gutes Gefühl. Wir können loslassen, durchatmen – und beruhigt nach Deutschland fliegen.

Es gibt ab Faro nur frühe Direktflüge nach Frankfurt. Also haben wir für 2 Uhr morgens ein Uber-Taxi zur Werft bestellt. Es war auch pünktlich da, was uns sehr beruhigt hat.

Ankommen in Darmstadt

Von November bis März wird Darmstadt für uns zum Lebensmittelpunkt. Statt Wind und Wetter bestimmen nun vertraute Straßen, warme Küchen und der Rhythmus unserer Enkel und ihrer Eltern den Alltag. Es ist eine Zeit, die sich ganz bewusst anders anfühlt als das Leben an Bord – ruhiger, näher, voller kleiner Momente.

Vor allem sind es die Enkel, die diese Monate prägen. Wir verbringen unzählige Stunden zusammen: spielen Lego, diverse Kinderspiele, gehen ins Kino, toben herum. Der Alltag bekommt wieder einen Rhythmus, der nichts mit Wachen, Kursen oder Wetterfenstern zu tun hat. Und die gemeinsame Zeit mit unseren Enkeln (und natürlich auch mit der ganzen Familie) ist einfach wunderbar. Das ist einer der Gründe, warum wir nicht in den Pazifik gesegelt sind.

Wir begleiten unseren ältesten Enkel Nikoli zu Basketballspielen, feuern an, fiebern mit. Unser ältester Enkel spielt in einer U10 Mannschaft. Die Trainerin legt großen Wert auf das Miteinander-Spielen. Die Körbe fallen dann automatisch. Wir bringen die beiden ältesten Enkel auch regelmäßig zum Schwimmtraining. Wir nutzen die Gelegenheit, um selber in der Zeit ein paar Bahnen in dem modernen Hallenbad mit fünf Becken zu schwimmen. Danach wird dann noch gemeinsam in dem Trainingsbecken getaucht und getobt. Eine Enkelin hat einmal pro Woche Tanzunterricht. Wir haben alle Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr gemacht. Außerdem konnte ich meiner Enkelin Nelli noch die ersten Schritte auf der neuen Kindernähmaschine beibringen. Sie wollte eine Aufbewahrungstasche mit zwei verschiedenen Stoffen nähen.

Die Magie der Vorweihnachtszeit

Die Wochen vor Weihnachten sind besonders intensiv. Es sind diese Momente, die man auf See oft vermisst – und die jetzt umso kostbarer sind.

Beim Nikolausgrillen stehen wir zusammen im Garten unserer Kinder draußen, mit Glühwein in der Hand, eingehüllt in winterliche Kälte. Die Bratwurst und griechische Spezialitäten schmecken so besonders gut.

Auf dem Darmstädter Weihnachtsmarkt leuchten die Augen der Enkel, und wir lassen uns treiben zwischen Lichtern, Düften und vertrauten Ritualen.

Ein ganz besonderer Moment für uns Alle ist das große Familientreffen bei meiner Schwester – vier Generationen an einem Tisch. Solche Augenblicke lassen einen innehalten. Sie zeigen, was wirklich zählt.

Auch die Weihnachtsfeier im Altersheim meiner Mutter gehört dazu. Das Altersheim macht jedes Jahr eine schöne Feier für die Bewohner und Angehörige. Es gibt leckeres Essen und eine kleine Band ermuntert zum gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern.

Ein neuer Alltag für uns

Während Tochter und Schwiegersohn arbeiten, unterstützen wir etwas den Familienalltag. Neben dem “Großeltern-Taxi”, kaufen wir regelmäßig ein. Luise kocht oft für die ganze Familie und erzeugt so nebenbei ein paar neue Lieblingsgerichte für die Enkel. Ich bringe mich mit Pfannkuchen und Fisch oder Entenbrustfilet aus dem Ofen ein. Wir sind für ein paar Monate ein Drei-Generationen-Haushalt.

Jahreswechsel am Meer

Zum Jahreswechsel zieht es uns wieder ans Wasser. Eine Woche verbringen wir mit Freunden an der niederländischen Nordsee in Breezand.

Der Wind ist rauer, die Luft kälter als auf dem Atlantik, aber das Gefühl ist vertraut. Lange Strandspaziergänge, das Rauschen der Wellen, weite Horizonte – all das erinnert uns daran, warum wir unterwegs sind.

Wir entdecken kleine, malerische Orte wie Veere, genießen die gemeinsame Zeit und starten ruhig ins neue Jahr. Es bleibt auch Zeit für einen Besuch der Stadt Gent in Belgien.

Wiedersehen und Inspiration

Die Winterpause ist auch eine Zeit der Begegnungen. Wir besuchen Freunde in Aachen, Heidelberg, Oberhausen-Rheinhausen (da habe ich mal gearbeitet), Kelkheim und Bonn. Wir möchten den Kontakt zu den alten Freunden aufrecht erhalten. Da wir das ganze Jahr unterwegs sind, ist das nicht immer einfach. Wir lernen ja viele neue Freunde auf unserer Segeltour kennen. Aber die Gespräche, Erinnerungen und gemeinsames Lachen mit den alten Freunden sind schon etwas Besonderes.

Ein Highlight ist jedes Jahr der Besuch der Messe BOOT in Düsseldorf. Zwischen Yachten, Ausrüstung, vielen Vorträgen und neuen Ideen wächst langsam wieder dieses Kribbeln: die Sehnsucht nach dem nächsten Aufbruch. Die Firma Moorings bei der wir vor 10 Jahren unser Boot gekauft haben, ist immer noch vertreten. Das finden wir sehr beruhigend. Wir sind auch weiterhin zufrieden mit unserer LUWINA.

Zwischen Ruhe und wachsender Spannung

Diese Monate sind ein Geschenk. Sie geben uns Zeit – für Familie, für alte Freunde, für Nähe, für all das, was unterwegs oft zu kurz kommt. Und doch schleicht sich mit jedem Tag mehr ein anderes Gefühl ein: die leise, aber stetig wachsende Spannung vor dem, was kommt. Denn die nächste Etappe ist nicht nur eine Reise ins Mittelmeer. Sie beginnt mit einer Passage, die Respekt verlangt. Die Planung führt uns unweigerlich zur Straße von Gibraltar – ein Nadelöhr zwischen Atlantik und Mittelmeer, geprägt von starkem Verkehr, Strömungen und wechselhaften Winden. Doch es ist nicht nur die Seefahrt selbst, die uns beschäftigt.

In den letzten Jahren hat sich die Region zu einem bekannten Hotspot für Begegnungen mit Orcas entwickelt. Immer wieder berichten Segler von Interaktionen – manche faszinierend, andere beunruhigend. Wir lesen Erfahrungsberichte, studieren Routen, überlegen Zeitfenster und Strategien. Wann passieren? Küstennah oder weiter draußen? Tagsüber oder nachts? Es sind Fragen, die man nicht leichtfertig beantwortet. Zwischen Vorfreude und Respekt entsteht eine neue Form der Vorbereitung – eine, die weit über Technik und Wetter hinausgeht. Die beiden Bilder zeigen die Hotspots der Orca-Angriffe im Bereich der Straße von Gibraltar sowie die Angriffe in 2025.

So viel können wir schon verraten. Beim Schreiben des Blogs sind wir sicher in Almerimar. Das ist 135 Seemeilen von der Meerenge von Gibraltar entfernt. Hier gab es bisher noch keinen Orca-Angriff.

Rückkehr zum anderen Alltag

Der Abschied fiel uns allen natürlich sehr schwer. Im Juli sehen wir uns alle in Griechenland ja schon wieder. Aber zunächst mussten wir ja mal zurück nach Lagos. Es gab nur einen sehr frühen Direktflug ab Frankfurt nach Faro. Dieses Mal sollte es um fünf Uhr losgehen. Der erste Flug nach der Nachtruhe. Also haben wir uns wieder für zwei Uhr morgens ein Taxi bestellt. Alles hat gut funktioniert. Auch in Faro haben wir direkt ein Taxi nach Lagos bekommen.

Unser Boot sah recht gut aus für die lange Zeit an Land. Nur die Vögel hatten ihre Spuren hinterlassen. Ein Fall für den Hochdruckreiniger.

Die Vorbereitungen für die Fahrt ins Mittelmeer können also starten.